Mehr als ein Dutzend Designer aus Wien präsentieren ihr Schaffen regelmäßig in Paris - Fashion Made In Vienna wird in London genauso getragen wie in New York oder Tokio. Unit F konnte für die Plakatkampagne zum „9 FESTIVAL FOR FASHION & PHOTOGRAPHY“ aus dem Vollen schöpfen: Wien live stellt drei ausgewählte Labels näher vor.
Radic/Morger
Die Kombination aus erfahrener Modeschaffender – Priska Morger arbeitete sechs Jahre lang bei Raf Simons in Antwerpen und assistiert aktuell Veronique Branquinho an der Angewandten –
und ihrem einstigen Studenten Danijel Radi´c, der noch während seines Studiums von 2004 bis 2007 die Hutlinie von Mühlbauer mitverantwortete, zählt zum Interessantesten, was Wien
modisch momentan zu bieten hat. Im Juni 2007 reisten die beiden gemeinsam zu den Männermoden-Shows nach Paris und bemerkten nicht erst da, dass sie ähnliche Visionen und Instinkte
hatten, was Mode betrifft. Zum Beispiel, dass beide aus dem klassischen System ausbrechen wollten, „weil das für uns einfach sehr langweilig ist“, wie Priska Morger erklärt. Im März
2008 fuhren sie wieder nach Paris, diesmal mit dem Plan, Aufmerksamkeit für ihr neues Label, dessen erste Kollektion im Oktober desselben Jahres herauskommen sollte, zu erregen.
Radi´c / Morger ließen zwei Models in auffrisierten Motorrädern vor großen Schauen von Givenchy, Yves Saint Laurent oder Chanel auffahren „und haben so quasi Aufmerksamkeit gestohlen“,
freut sich Danijel Radi´c. Das kam bei der Presse und den Einkäufern gut an, sogar das Pariser Fernsehen berichtete darüber. Nach der heuer im März in Paris präsentierten zweiten
Kollektion denkt das Duo intensiv darüber nach, sich mit weiteren kreativen Happenings alternativ vom herkömmlichen Modebiz zu positionieren. „Denn selbst mit der tollen Unterstützung
von Unit F und departure, ohne die wir nie starten hätten können, ist es schwierig, Shows zu finanzieren“. Und solche Guerilla-Aktionen würden dem Image ihrer Mode – Kleidung,
Accessoires, Schuhe & Schmuck – wohl auch eher gerecht. Sehen Radi´c / Morger die von ihnen eingekleidete Frau doch als „Motorradfahrerin auf High Heels“. Ein wenig rau, sehr sexy
und cool.
>>> www.radic-morger.com
Awareness & Consciousness
Christiane Gruber, gebürtige Steirerin, kam mit 19 Jahren nach Wien und absolvierte hier zunächst ein Kolleg in der Modeschule Herbststraße, „um die Technik zu erlernen“, ehe sie an der
Universität für angewandte Kunst bei Jean-Charles de Castelbajac, Viktor & Rolf und Raf Simons, bei dem sie 2002 auch diplomierte, Mode studierte. „Für mich war Simons deswegen sehr
prägend, weil er von uns Ernsthaftigkeit verlangt hat, man musste eine vollständige Kollektion, die eine bestimmte Größe haben musste, abliefern und über Wien hinaus schauen“. Das tat
sie auch mit einem von Unit F vergebenen Praktikum in Antwerpen, wo ihr Einblicke in den gesamten Produktionsablauf vermittelt wurden. Zurück in Wien, gründete Gruber ihr eigenes Label
und präsentierte – noch unter eigenem Namen – erstmals in Paris. „Dann hatte ich aber die Idee, jede Saison eine Kooperation mit einem anderen Designer einzugehen. “ Die Erste sollte
Anneliese Schrenk sein, Fachfrau für Accessoires, „mit der es aber so gut lief, dass wir vier Saisonen zusammengearbeitet haben“, ehe Schrenk ihr Studium wieder aufnahm. Was blieb, ist
der Name Awareness & Consciousness, unter dem Christiane Gruber seither allein weitermacht. Und Paris, wo sie nach wie vor zwei Mal im Jahr, seit 2008 auch mit eigenem Showroom,
präsent ist. „Ich arbeite nicht nach Konzepten, sondern nach Stimmungen. Jede Kollektion beginnt mit einer Inspiration, sei es aus Büchern, Ausstellungen oder Filmen, ich lege
Skizzenbücher an und sammle Bilder, die sich dann zu einem neuen Ganzen zusammenfügen.“ Im Mittelpunkt der zwei Mal jährlich präsentierten Kollektionen steht das Material, vor allem
Jersey, „weil es sich angenehm angreift und weich fällt.“ Ergänzt durch zum Beispiel Leder – und mit Farben, die oft eigenhändig gebatikt werden. Zu haben in Europa, New York und
Asien.
>>> www.awarenessandconsciousness.com
Ute Ploier
Die gebürtige Oberösterreicherin ging mit 18 nach London und studierte dort für ein Jahr am Central Saint Martins College Mode und Graphisches Design. 1996 begann sie ihre
Fachausbildung an der Modeklasse der Universität für angewandte Kunst, unter der Leitung von Jean-Charles de Castelbajac, Viktor & Rolf und zuletzt Raf Simons. Mit ihrer
Abschlusskollektion „Noli me tangere“ im Jahr 2003 gewann sie als erste österreichische Designerin überhaupt den renommierten Prix Hommes für die beste Männerkollektion beim 18.
internationalen Mode- und Fotografiefestival in Hyères. Im Jahr zuvor hatte sie für dieselbe Kollektion bei den „Austrian Fashion Awards“ bereits den Modepreis der Stadt Wien erhalten.
2003 war es dann soweit: Ploier gründete ihr eigenes Label Ute Ploier Menswear. „Jede Kollektion ist ein Projekt für sich. Ich bin keine formelle Designerin. Für mich gilt die Idee, das
Konzept, der soziale Gedanke. Es gibt viele Männer, die ausschließlich Frauenmode machen. Ich wollte das umkehren und sehen, wie es ist, wenn man als Frau für das andere Geschlecht Mode
macht, zu arbeiten, wenn man/frau nicht Teil des Systems ist“, so die Designerin, die ein Atelier im 5. Wiener Bezirk betreibt und mehrere Mitarbeiter beschäftigt. Im Jahr 2004
präsentierte Ute Ploier erstmals eine Kollektion – „electrification“ – während der „mens wear fashion week“ in Paris. Seither kann man ihre Mode vorwiegend in Asien und Europa kaufen.
Inspiration dafür holt sich Ute aus Kunst und Film. Bei der aktuellen Kollektion „bardagamadur“ (isländisch: Der Kämpfer) war es die momentane Wirtschaftskrise.
>>> www.uteploier.com