Wie kommen Sie als deutscher Magazin-Chefredakteur eigentlich dazu, sich so intensiv mit österreichischem Modedesign zu beschäftigen?
Für „Achtung“ ist es selbstverständlich, sich um den gesamten deutschsprachigen Markt zu kümmern, also neben Deutschland und der Schweiz auch vor allem Österreich. Als wir die
Zeitschrift 2003 gründeten, gab es zwei Fixsterne am Modehimmel: Jil Sander aus Hamburg und Helmut Lang aus Wien. Beide Designer standen auch exemplarisch für ihre jeweiligen Städte.
Sander mit ihrer teuren Hamburger Großbürgertummode, die sich vor allem durch simple Silhouetten mit den teuersten Stoffen auszeichnete, und Lang mit seiner radikalen Schnittführung,
die auf Wiener Schneiderkunst basierte. So war es also für „Achtung“ von Anfang an spannend zu verfolgen, was sonst noch an Mode aus Wien kommt.
Im November 2008 hat Ihre Zeitschrift Mode aus Österreich unter dem Titel „Felix Austria“ eine ganze Ausgabe gewidmet. Warum darf sich Österreich so glücklich
schätzen?
Neben Helmut Lang gibt es einen weiteren international bahnbrechenden Modedesigner aus Österreich namens Carol Christian Poell. Ob man es glaubt oder nicht, alle seine Kollektionen
werden vom Museum für angewandte Kunst unter der Kustodin Heidi Caltik gesammelt. Das fanden wir bei „Achtung“ so spannend, dass wir uns entschieden haben, mindestens einmal im Jahr
nach Wien zu kommen, um die Modeszene zu beobachten. Und natürlich auch, da an der Universität für angewandte Kunst unter Federführung von Raf Simons und Veronique Branquinho eine
regelrechte Brutstätte für gute Designer, die sich vor allem dadurch auszeichnen, ihre Kollektionen innerhalb des internationalen Standards zu zeigen, also in Paris, entstand. So war es
klar, dass es nach einer „Achtung“-Schweiz-Ausgabe auch eine Wien-Nummer geben wird. Außerdem sind zwei der wichtigsten „Achtung“-Mitarbeiter Wiener. Die großartige Modejournalistin und
„Junge Designer“-Unterstützerin Brigitte R. Winkler und der beste Modefotograf seiner Generation im deutschsprachigen Raum, Jork Weismann.
Welchen Stellenwert hat heimische Mode Ihrer Meinung nach?
Einen internationalen. Man muss sich nur den Kalender der Pariser Chambre Syndicale während der Männerschauen ansehen, da gibt es Ute Ploier und Petar Petrov als fast schon etablierte
Schauen neben Präsentationen von Wilfried Mayer, Wendy&Jim oder _fabrics interseason ganz offiziell eingetragen mit festem Platz.
Das ganze Interview lesen Sie in der Wien live Ausgabe: Mai 2009 >>>