ABC Bohnenweisheit - Im Kaffeehaus mit Günter Ferstl

Am 1. Oktober ist Tag des Kaffees. Wien live traf Fachgruppen-Obmann Günter Ferstl auf einen Espresso

 ©Marco Rossi

Die Tür schwingt auf, gedämpftes Stimmengewirr empfängt einen, kühle Marmortische, samtgepolsterte Bänke und geschwungene Sessel aus Korbgeflecht laden zwischen bis zur Decke reichenden, blankgeputzten Fenstern und etwas eigentümlicher, aber doch anheimelnder Tapete zum Verweilen ein. „Was darf’s denn sein?“, fragt der livrierte Ober nonchalant.
Ob Melange, Kleiner Schwarzer oder Häferlkaffee, pro Kopf und Jahr konsumieren Herr und Frau Österreicher 162 Liter bzw. 8,2 Kilogramm Kaffee – das sind 2,6 Tassen täglich. Damit rangiert die dunkle Köstlichkeit gleich nach Wasser in der Reihe der beliebtesten Getränke, weit vor Bier. Vorzugsweise konsumiert im Wiener Kaffeehaus. 2009 zählt die Fachgruppe Kaffeehäuser insgesamt 2.648 Betriebe, darunter 908 Kaffeehäuser, 794 Kaffee-Restaurants, 736 Espressi, 182 Kaffee-Konditoreien und 28 Stehcafés.

Zu jeder Tageszeit.
Eine Vielfalt, die Fachgruppen-Obmann Günter Ferstl mit einem zufriedenen Lächeln goutiert. „Kaffee wird bei uns den ganzen Tag über getrunken, zum Frühstück, nach dem Mittagessen, zur Jause, bei Besprechungen, nach dem Abendessen, vor dem Ausgehen …“  Dass Österreich einen höheren Pro-Kopf-Verbrauch als etwa Nachbar Italien aufweisen kann, verwundert Ferstl somit keineswegs. 90 Prozent der österreichischen Haushalte konsumieren regelmäßig Kaffee – zum Frühstück wählen rund 80 Prozent den dunklen Muntermacher, am Nachmittag rund 60 Prozent. Und mehr als ein Drittel aller Kaffeegenießer geht zwei- bis dreimal die Woche ins Kaffeehaus, 19 Prozent sogar täglich.  

Kaffee-Oberster.
Zu Letzteren zählt sich auch Günter Ferstl. Seit 2006 steht er der Fachgruppe Kaffeehäuser als Obmann vor, gastronomisch ist der Wiener auf der Donauinsel mit dem Cafe del Sol und in der Innenstadt mit der HB Cocktailbar beheimatet. Einer Zahnarztfamilie entstammend, galt Ferstls Liebe immer schon der Gastronomie: „Im Urlaub bei der Schank auszuhelfen oder Getränke zu servieren, das hat mir irrsinnigen Spaß gemacht.“ Nach der Kellnerlehre im Hotel Sacher zog es ihn hinter die Bar, dort mixte er 15 Jahre lang Standard- wie Eigenkreationen. 1980 ging er in die Selbstständigkeit – seither trinkt er seinen Kaffee stets schwarz und kurz, ohne Milch, aber unbedingt mit Zucker. Außer er testet den Geschmack, dann müsse der Kaffee ohne alles, pur, wie er aus der Maschine kommt, getrunken werden. Und nach dem Mittagessen, da besteht der „Kaffee-Oberste“ auf seinen Rüdesheimer (dafür wird Zucker in einer speziellen Tasse mit Asbach Uralt gemischt, angezündet, umgerührt und mit schwarzem Kaffee aufgefüllt, zur Krönung eine Schlagobershaube) – von den Rüdesheimer-Tassen hat Ferstl übrigens einen ganzen Schrank voll zu Hause. Was für ihn ein guter Kaffee sei? „Er darf nicht bitter sein, muss stark sein und eine schöne Creme haben, wenn er serviert wird.“

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