Soziale Marktwirtschaft

Seit 1. Juli werden auch finanziell schlechter gestellte Kunden im Norden Wiens täglich frisch nahversorgt. Der Samariterbund eröffnete den ersten Sozialmarkt in Floridsdorf

 ©Bubu Dujmic

Es rockte ordentlich beim großen Opening: „Kein Geld“ intonierte die Wiener Band Minze – der Songtitel ist aber leider auch Lebensmotto für mehr als 200.000 Menschen in der Bundeshauptstadt. Sie alle sind akut armutsgefährdet und täglich mit der Herausforderung konfrontiert, lediglich ein kleines Budget zur Verfügung zu haben. „Wir erleben, noch verstärkt durch die Wirtschaftskrise, wie schnell ganze Familien in die Armut schlittern“, schildert Siegfried Sellitsch, Präsident des Samariterbundes Wien, die oft prekäre Lage, „deshalb haben wir uns entschlossen, die Idee des Sozialmarktes aufzugreifen und schnell ein entsprechendes Angebot zu schaffen“. Lediglich zwei Monate lagen zwischen der Idee und der Finalisierung, dann konnte in der Frömmlgasse 31 der erste Sozialmarkt im Norden Wiens eröffnet werden. Mit einem riesigen Einzugsgebiet, das neben Floridsdorf auch die Donaustadt und Brigittenau umfasst. 200 Quadratmeter groß ist die Verkaufsfläche in den Räumen eines ehemaligen Supermarkts, dazu kommen noch einmal 100 Quadratmeter Lagerfläche. Sechs fest Angestellte sorgen täglich von 9 bis 16 Uhr für den reibungslosen Geschäftsgang und kümmern sich um die Abholung der Ware bei den Sponsoren.

HELL, FREUNDLICH, EINLADEND.
Im Gegensatz zu manchen ähnlichen Einrichtungen lässt schon das Portal – mit der großflächigen Aufschrift „Sozialmarkt“ – keinen Zweifel daran, worum es sich bei diesem Geschäft handelt. Und auch die Türen stehen weit offen, sodass öfters auch Anrainer, die gar nicht einkaufsberechtigt sind, auf ein Pläuschchen herein schauen. Rechts vom Eingang steht ein Informationsschalter, an dem auch die Anträge – täglich zwischen 30 und 50 – ausgefüllt und SOMA-Pässe, die schließlich zum Einkauf legitimieren, ausgestellt werden. Gleich danach eine kleine Café-Theke, an der Kaffee und Kuchen für 30 Cent angeboten werden. „Es kann schon sein, dass es manchen Menschen unangenehm ist, einen Sozialmarkt aufzusuchen“, erklärt Georg Jelenko, seines Zeichens Bereichsleiter Sozialmärkte des Samariterbundes Wien, „und genau deswegen wollen wir hier eine Atmosphäre schaffen, welche die Hemmschwellen senkt. Der Kunde ist bei uns König“. Schließlich sei man kein Armenhaus. „Ich halte auch nichts davon, ständig zu jammern, dass die Armut immer größer wird, das Wort ,Krise’ kann ich schon nicht mehr hören. 90 Prozent der Bevölkerung geht es nach wie vor sehr gut, die sollen weiter im regulären Handel einkaufen und die Wirtschaft beleben“, fügt er schmunzelnd hinzu. „Und den anderen, die oft 50 Euro oder weniger monatlich für Lebensmittel zur Verfügung haben, helfen wir.“ In erster Linie seien das allein erziehende Frauen mit Kindern und Pensionisten.

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