Der neue Wiener Wein hat schon eigene Tradition

Die Donaumetropole ist die einzige Millionenstadt der Welt, wo innerhalb der Stadtgrenzen Landwirtschaft in beträchtlichem Ausmaß betrieben wird.
Das gilt vor allem für den Wiener Weinbau

 ©Arman Rastegar ©Arman Rastegar

Wien und der Wein sind zwei Begriffe, die seit jeher nicht nur auf musikalischem Weg im Wienerlied gefeiert worden sind. Das Verständnis, was Wiener Wein wirklich ist, hat sich in den letzten Jahren jedoch grundlegend verändert. Und zwar zum Guten, zum immer Besseren. Wenn man die frühen Neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts als Geburtsstunde dieses neu erwachten Qualitätsbewusstseins bei Konsumenten und Produzenten annimmt, so kann man jetzt, nach beinahe zwanzig Jahren, wohl mit Fug und Recht schon von einer eigenen Tradition des „neuen“ Wiener Qualitätsweinbaus sprechen. Lange vorbei die Zeiten, als man beim Heurigen maximal zwischen Weißem und Rotem seine Auswahl treffen konnte.

Der gemischte Satz.

Das beste Beispiel für diesen Bewusstseinswandel und für den wachen Ehrgeiz der Wiener Weinbauern ist wohl der „Gemischte Satz“, eine Spezialität, wie es sie kaum anderswo auf der Welt in dieser Form gibt. Bis vor wenigen Jahren wusste nicht einmal jeder Fachmann so genau, was man unter einem „Gemischten Satz“ eigentlich zu verstehen hat. Und für Laien legte allein der Wortstamm nahe, dass es sich da um irgendeine Pantscherei handelt, um eine undefinierbare Mischung, die, wie die Wiener früher gern argwöhnten, „auf der Kellerstiege gewachsen“ ist. Der Stammersdorfer Weinhauer Fritz Wieninger gilt als Wiederentdecker dieses typischen Wiener Weins, bei dem es sich keineswegs um eine Cuvée, um einen Verschnitt verschiedener Weine, handelt. Vielmehr werden, wie Wieninger es in alten, lange nicht mehr benützten Weingärten studieren konnte, mehrere Rebsorten in einem bestimmten Mischungsverhältnis ausgesetzt. Sie reifen gemeinsam und werden gemeinsam geerntet. Während ihres Wachstums und ihrer Reife gehen die verschiedenen Sorten eine Art Symbiose ein. Es liegt am Fingerspitzengefühl des Winzers, ob auf diese Weise ein spritziger oder ein eher fruchtiger Wein entsteht. Nicht umsonst taufte Wieninger seinen „Gemischten Satz auf den Namen „Alte Reben“.

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