Das Gesicht des ORF, die Stimme der ÖBB – Chris Lohners Rotschopf ist seit Jahrzehnten ein Erfolgsgarant. Am 3. März präsentiert sie ihren ersten, zu einem Großteil autobiografischen Roman „Der Krokodilmann“
Der erste Eindruck entscheidet. Zwischenmenschlich, im Modelbusiness, auf der Bühne, bei einem Buch … Chris Lohner beginnt ihren neuen Roman mit dem Satz „Träumen wir unser Leben oder
leben wir unsere Träume?“ Der passt – zum Roman-Erstling „Der Krokodilmann“ wie zur Autorin. Der Lebenslauf der umtriebigen Wienerin liest sich wie ein Wunschkonzert – Model,
Schauspielerin, Fernsehsprecherin, Journalistin, Autorin, NGO-Botschafterin … Von Karriereplanung aber keine Spur. „Ich bin ein absolutes Jetzt-Geschöpf. Ich lasse die Dinge gerne auf
mich zukommen. Das ist wie Weihnachten – es liegen Packerln am Weg, bei denen man noch nicht weiß, was man auspacken wird.“
Von Paris auf den Küniglberg.
Das erste Packerl ihres bunten Lebensweges wartete an einer Bushaltestelle in Wien, dort sprach die damals 18-Jährige ein Fotograf auf ihre Modelqualitäten an. Da das Anfang der 60er
Jahre aber noch anrüchig war und den Beigeschmack von „Nackerten-Kalendern“ hatte – selbst das Finanzamt war überfragt bei der Berufsbezeichnung und reihte das junge Model unter der
Sparte „Zivilingenieure“ ein – nahm Lohner kurzerhand ihre Mutter mit zu den Probeaufnahmen. Erklärter Berufswunsch von Kindesbeinen an: Schauspielerin, das Modeln sollte nur die
Ausbildungskosten einbringen – aber „interessanterweise sind die Nebenjobs, mit denen ich mir meine Berufe finanziert habe, immer zu den Hauptjobs geworden“. So auch jener der
ORF-Fernsehsprecherin. Als die langbeinige Chris von ihren Modeljahren in Paris nach Wien zurückkehrte und sich wieder erdigeren Dingen widmen wollte, inskribierte sie an der
Universität für angewandte Kunst Innenarchitektur – und bewarb sich des Geldes wegen beim ORF. „Ich hab einfach angerufen, gefragt ob ich vorsprechen kann, bin ins Studio gefahren, und
dann hieß es‚ Sie hören von uns’.“
Der Dalai Lama & Kottan.
Gehört und auch gesehen hat man in den darauf folgenden Jahren viel von Chris Lohner: Ab 1973 moderierte sie im ORF u. a. „Österreich-Bild“, „Sonntags-Matinee“, „WIR“, ihre eigene
Sendung „backstage“ sowie von 1984 bis 1992 zahlreiche Talkshows auf 3sat, u. a. mit Peter Weck, André Heller, Neil Postman, Viktor Frankl.
Selbst den Dalai Lama traf sie – er antwortete ihr auf die Frage, was er denn so in seiner Freizeit mache: „I walk trough my mind.“ 70 Prozent unseres Gehirns würden wir nicht nutzen,
und genau durch jene würde er gerne lustwandeln. In lebhafter Erinnerung sind ihr auch die Auftritte in „Kottan ermittelt“ und „Tohuwabohu“, dank derer die straighte Ansagerin
Kultstatus erlangte. Fans dürfen sich übrigens freuen, diesen Juni kommt der neue Kottan-Film ins Kino, mit Chris Lohner, versteht sich.
2008 feierte Lohner ihr 30-jähriges Jubiläum als Stimme der ÖBB. Seit 2001 setzt sich die selbst an Grauem Star Operierte als Botschafterin für Licht für die Welt ein und tat nebenbei
auch noch ein eigenes Afrika-Charity-Projekt auf, „caftan – it fits“. „Ich fange immer gerne was Neues an, ich bin niemand, der sich auf seinen Lorbeeren ausruht“, erklärt der
Kult-Pagenkopf sein abwechslungsreiches Berufsleben. Angeben tut sie damit auch nicht - ihre Modelbilder verstauben am Dachboden, ihre Preise (u. a. Goldene Romy, 1993) haben am
WC-Fenster ihren Ehrenplatz gefunden. „Menschen zu unterhalten und Menschen zu helfen, das hat sich als mein Weg herauskristallisiert,“ bringt Lohner ihre Biografie auf den Punkt.
Sex und Liebe.
Ihr Bühnendebüt gab die staatlich geprüfte Schauspielerin 1994 mit „Ein flotter Zweier“, 2006 präsentierte sie ihr erstes Soloprogramm „Sex? Aber mit Vergnügen!“ (Dario Fo / Franca
Rame). Das erste Buch, „Keiner liebt mich so wie ich oder die Kunst in Harmonie zu leben“, erschien 1997 und wurde prompt zum Bestseller. Den „ungenanten“ Umgang mit Themen wie Sex
verdankt Lohner ihrem Elternhaus. „Ich bin sehr offen und liberal erzogen worden. Meinen Eltern war es auch schon immer egal, mit welcher Farbe Mann ich nach Hause komme.“ Im zarten
Alter von 14 Jahren entschied sie, dass sie ihr eigenes Geld verdienen („Meine Eltern waren großartig, aber dass meine Mutter zu meinem Vater gehen musste, wenn sie ein Paar Strümpfe
brauchte, das wollte ich für mich nicht“) und einen Mann nur zum Liebhaben wolle – und das als Kind einer Zeit, in der es hieß, man heiratet und ist versorgt. Geheiratet hat Lohner nur
einmal, den Namen hat sie sich behalten, den Mann, Alfred Lohner, nicht. Lange Jahre war sie mit Lance Lumsden glücklich. Heute wird mit Hündin Shirley gekuschelt, ihrem dritten und
definitiv eigensinnigsten Terrier. „Ein absolutes Alphatier, das sich nicht unterordnet – genau wie ich.“
Über Schicksal und Götter.
Jetzt hat sich Chris Lohner, auch auf die Gefahr hin „auf die Go zu fallen“, wieder auf unbekanntes Terrain gewagt und ihren ersten Roman vorgelegt. „Ich kann sagen, es hat geschrieben.
Es war wie Pullover-Auftrennen – wenn man einmal den Faden hat und anzieht, dann rennt es.“ Die Geschichte vom aufstrebenden Model Anna in Paris, das seine große Liebe sowie die beste
Freundin und Agentin verliert, nach Mexiko flüchtet und sich plötzlich im Alten Ägypten wiederfindet, ist kein reines Phantasieprodukt. „Die Pariser Zeit ist autobiografisch, ich habe
nur die Namen verändert. Den gelähmten Freund gibt es immer noch, und meine Agentin war für mich ein ganz wichtiger Mensch, so etwas prägt einfach …“ Schreiben, genau wie Schauspielern,
habe für Lohner auch immer einen therapeutischen Ansatz, durchaus einer der Vorzüge ihres Berufs. Und Ägypten? „Es ist mir ein so nahe stehendes Land, die Menschen strahlen eine
unglaubliche Würde aus. Beeindruckt hat mich auch, dass die Menschen nur rechts und links neben dem Fluss leben können.“ Von göttlicher oder sonstiger Vorbestimmung hält die 66-Jährige
nichts, das wäre zu einfach für uns Menschen – man löse die Dinge selbst aus, jeder von uns trage eine Art Universalfunke in sich. Auch da sind ihr die afrikanischen Völker sehr nahe,
denn „da gibt es keinen Oberguru, der alles regelt“. Die Wiege der Menschheit steht nicht umsonst in Afrika.