Wien live im Gespräch mit Emma Thompson: über ihr Herzensprojekt „Nanny McPhee“, über die Wichtigkeit von Bildung, die Bekämpfung von Rassismus – und das Kreuz mit dem Geldverdienen …
Haarige Warzen und Knollennase: Emma Thompson verwandelt sich erneut in das eigenwillige Kindermädchen „Nanny McPhee“. Wien live traf die Frau mit der großartigen Stimme, die
im April zweifach im Kino zu bewundern ist, und die sich neben der Hauptrolle auch um das Drehbuch gekümmert hat, in London.
Nanny McPhee scheint Ihnen ein Herzensanliegen zu sein: Sie brüteten wieder jahrelang über dem Drehbuch, was fasziniert Sie an der Figur?
Ich liebe sie einfach. Ich liebe sie zu spielen, ich liebe, was sie repräsentiert, ich liebe es, Geschichten zu schreiben, die diesen etwas bizarren und ziemlich revolutionären Weg
verfolgen, Konflikte zu lösen. Ein Großteil dessen, was für Kinder produziert wird, basiert auf ziemlich einfältigen Dingen. „Reality“-TV gilt als cool – das beunruhigt mich. Ich will
zur Kultur beitragen, die Kinder aufnehmen. Weil sie auf sie wirken wird. Ich bin der Überzeugung, dass Kunst die Menschlichkeit ausformt. Das klingt etwas hochtrabend, soll es aber
nicht, die Gleichung ist nämlich eine einfache. Sie lautet: Die richtige Art von Geschichten entwickelt die richtige Art von Menschen. Menschen, die weniger dazu bereit sind, einander
zu verletzen. Wenn du empathische Menschen formen willst, musst du ihnen auch Geschichten erzählen, durch die sie Empathie kennen lernen. Sie werden diejenigen sein, die sich umdrehen
und sagen: „Ich weiß, du erzählst mir, diese Person sei eine Kakerlake, aber ich glaube dir nicht und werde sie auch nicht töten.“ Das ist es, was sich gegen Massenvernichtung und Krieg
stellen wird. Das ist meine Inspiration. Ich wurde aber auch von einem Mann großgezogen, der für Kinder, der das Kult-Programm „The Magic Roundabout“ geschrieben hat (Anm.: Ihr Vater
war der Schauspieler, Regisseur und TV-Produzent Eric Thompson). – Für Kinder, aber nicht „für Kinder“. Er pflegte zu sagen: „Kinder sind nur Menschen, die noch nicht so lange gelebt
haben wie ich. Warum sollte ich eine andere Sprache mit ihnen sprechen?“ – Also tat er es nicht. Und so rast z.B. Hund Dougal durch die Gegend und ruft: „Haha! Du wurdest mit deinen
eigenen Waffen geschlagen!“ – Jeder meinte: „Du kannst doch solche Phrasen nicht für Kinder verwenden!“ Er entgegnete: „Warum nicht? Sie werden herausfinden, was es bedeutet. Oder eben
nicht, und sie laufen herum und rufen derartige Dinge aus! Das ist doch großartig!“ „Nanny McPhee“ ist wohl auch zum Teil eine Art Hommage an meinen Vater, ich versuche auch, Dinge zu
schreiben, die Kinder sowie Erwachsene amüsieren, aber nicht: dies speziell für Kinder zu schreiben und das speziell für Erwachsene und beide Teile irgendwie zusammenzuschustern, wie
das oft der Fall ist. Und das ist VERDAMMT hart!
War es zusätzlich hart – oder doch auf eine Art befreiend –, ein Sequel zu schreiben?
Es hat sich nie wie ein Sequel angefühlt, da die Geschichte in einer anderen Zeit, bei einer anderen Familie spielt und das einzig Wiederkehrende die Figur der Nanny McPhee ist. Ich
habe versucht, neue Facetten ihres Charakters herauszuarbeiten. ...
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