Ich habe Übung

Til Schweiger feiert mit seinem Kinderbuch „Keinohrhase und Zweiohrküken“ literarische Erfolge. Im Interview spricht er über das eigene Leseverhalten, Botschaften in Büchern und Pippi Langstrumpf

 ©Ludwig Schedl

Til Schweiger einmal ganz anders. Der deutsche Feschak, Filmstar („Der bewegte Mann“) und Erfolgsregisseur („Keinohrhasen“) überzeugte bei der Buchliebling-Gala im Wiener Rathaus auch als Schriftsteller. In der Kategorie „Kinderbuch – Bilder- und Erstlesebuch“ holte er sich gemeinsam mit Ko-Autor Klaus Baumgart (im Bild l.) den begehrten Award. Nach der Lesung aus der berührenden Geschichte stellte sich Schweiger einem Interview mit Wien live.

Sie sind auch ein guter Vorleser, wie man gerade gehört hat …
Ja, ich hab jede Menge Übung.
 
In einem Spiegel-Interview haben Sie gesagt, dass Sie gerne unterschätzt werden. Obwohl Sie in allen möglichen Branchen tätig sind.
Meine Kinder haben mich nie unterschätzt als Vorleser, die mochten das immer. Von daher kann ich das.

Das Buch hat eine Botschaft: Wenn man keine Ohren hat, ist man nicht schlechter, nur anders. Müssen Kinderbücher eine Botschaft haben? Von wem kam die Idee?
Ja, nee, wir haben uns zusammengesetzt und haben darüber geredet, wie muss das sein und was wollen wir ausdrücken – und was soll die Botschaft sein? Weil ich finde es schon schön, wenn ein Kinderbuch eine Botschaft hat. Ich bin ein großer Gegner von Botschaften im Film. Ich möchte eigentlich als Zuschauer selber eine Botschaft entdecken und sie nicht oktroyiert bekommen. Genauso glaube ich auch, dass Kinder das nicht wollen. Und unser Buch hat ja auch keine große Botschaft – außer: dass man ein Außenseiter sein kann und trotzdem Freunde finden kann. Und dass man nicht so sein muss wie alle anderen und trotzdem ein schönes Leben haben kann.

Möchten Sie diesen Weg als Kinderbuchautor weitergehen?
Ja. Wir haben schon den zweiten Teil geschrieben. Der wird auf der Buchmesse in Frankfurt im Oktober vorgestellt und man kann mit Fug und Recht sagen: Der ist sogar noch schöner als der erste Teil. Weil jetzt haben die beiden sich gefunden und fangen an, die ersten Abenteuer zusammen zu erleben.

Was war Ihr eigener Buchliebling als Kind?
Ich habe als Kind Pippi Langstrumpf geliebt. Mein Lieblingsbuch als junger Erwachsener war „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“, das hab ich dreimal gelesen. Das „Parfum“ hab ich zweimal gelesen. „Die Entdeckung der Langsamkeit“ hab ich auch zweimal gelesen. Philip Roth hab ich viel gelesen. Das letzte Buch, das ich bewusst gelesen habe, war „Black Hawk Down“. Das war grandios. Aber ansonsten hab ich keine Zeit zum Lesen im Moment. Ich lese so viele Drehbücher.   

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