Groß, blond, schlank und sehr hübsch. Kein Wunder, dass es Melanie Scheriau bis ganz nach oben – und das heißt im Modelbusiness nach New York – schaffte. Dabei war es ihr Vater, der die damals 16-Jährige aus Spittal an der Drau für den Supermodel-Contest anmeldete. Den Österreich-Bewerb gewann Melanie auf Anhieb, international belegte sie den vierten Platz. Der Beginn einer beeindruckenden Karriere, in deren Verlauf sie u. a. von Gucci, Missoni, Versace, Armani, Alexander McQueen oder Jean Paul Gaultier gebucht wurde, Shootings für die Modemagazine Vogue, Elle und Harper‘s Bazaar absolvierte und neben Robbie Williams in dessen aufsehenerregendem Video zum Song „Rock DJ“ auftrat. Im Interview gibt Melanie Scheriau Einblick in den Alltag eines Topmodels.
Viele Mädchen wollen nichts anderes und nehmen dafür auch TV-Shows wie „Germany’s Next Topmodel“ in Kauf. Was sollte man beachten, um seriös ins Business
einzusteigen?
Diese ganzen Reality-TV-Shows sind, wie der Name schon sagt, Reality-TV. Das hat wenig mit dem echten Modelleben zu tun, man will Drama. Was ich hier in Amerika bei „America‘s Next Top
Model“ – dem Original, ich habe keine der anderen internationalen Staffeln gesehen – in den letzten sechs Jahren mitbekommen habe, ist, dass es bis jetzt keines der Mädchen geschafft
hat, im Modelbusiness groß rauszukommen. Hey, man sollte aber niemals nie sagen. Die ganze Overexposure ist für viele Kunden ein großes No-Go. Viele der Mädchen dieser Shows bleiben
aber im Metier Fernsehen hängen, das hat aber nichts mit der Modebranche zu tun. Persönlich würde ich nie bei so einer Show mitmachen. Ich finde Modelcontests sind da der bessere Weg –
siehe Michael Gstöttner, Adriana Lima oder Linda Evangelista.
Nicht jeder kann alles werden. Welche Voraussetzungen muss man für den Modelberuf mitbringen?
Man muss eine Mindestgröße von 1,75m haben, schlank sein, gute Haut und Haare haben. Man muss fotogen sein – nicht jedes hübsche Mädchen ist fotogen – und sich vor der Kamera bewegen
können. Und man sollte eine gutmütige Natur haben. Kunden wollen keine Zicken, sondern mit angenehmen und netten Mädchen arbeiten.
Momentan wird der Trend hin zu sehr dünnen Models wieder stark thematisiert. Worin liegt dieser Hang zur extremen Schlankheit in der Modewelt begründet?
Designer haben ein gewisses Image von einer Frau, die sie in ihrer Kleidung sehen. Eine Phantasie. Dolce & Gabbana designen für die kurvige Frau à la Sophia Loren und Monica
Belucci, Balmain mehr für den androgynen Typ. Models waren immer schon schlank – das ist eines der Markenzeichen des Berufs. Die Mädchen, die in den Medien als zu dünn thematisiert
werden, sind meist 14 bis 17 Jahre alt. Noch sehr kindlich. Ganz ehrlich, ich hab in diesem Alter ausgesehen wie ein Strich in der Landschaft.
Wird man tatsächlich dazu angehalten, wenig zu essen, um konkurrenzfähig zu bleiben?
Klar versucht man, seinen Körper fit zu halten, aber mir ist so etwas nie passiert. Und ich habe auch noch nie von anderen Modellen, die ich kenne – und das sind sehr viele –, gehört,
dass so etwas erwartet wird. Es wird einem zu Herzen gelegt, sich gesund zu ernähren.
Cindy Crawford sagte unlängst, sie hätte mit ihrer Figur heute keine Chance mehr. Besagt nicht allein diese Aussage, dass etwas schief läuft?
Ich glaube nicht, dass die Karriere eines Models von ihrem Körperbau alleine abhängt. Cindy ist Cindy. Sie hatte das Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort die richtigen Leute zu
treffen. Das ist der ganze Zauber. Es gibt genug erfolgreiche Models wie Gisele Bündchen, Karolina Kurkova und Doutzen Kroes, die Kurven haben.
Das ganze Interview - nachzulesen in Wien live Dezember 2009/Jänner 2010 >>>
Das Exklusiv-Video zum Fotoshooting: