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CHINA BAR © CHINA BAR

Feurig essen

Gepostet von Christoph Hirschmann
am Freitag, 01. Februar 2013

Die besten China-Lokale

Bei meiner chinesischen Heilmasseurin habe ich das Wort „huo“ gelernt. Huo heißt Feuer. Und „huoguan“ ist die Heilmethode, die sie anwendet. „Huoguan“ heißt Feuerglas. Sie verwendet leere Kompottgläser mit kleinen brennenden Stoffresten und appliziert sie an neuralgischen Punkten des Körpers. Der Effekt: „Klankheit weg!“, sagt die Masseurin. Wichtig ist auch das Wort „huoguo“. Das heißt Feuertopf. Und diese aus der Mongolei stammende Spezialität sollte man natürlich am besten in Restaurants in Beijing probieren. Da wird auf silbernen Platten hauchdünn geschnittenes Lammfleisch aufgetragen, das jeder Gast dann in seinem kleinen, mit brodelnder Suppe gefüllten Feuertopf gart. Mit frischem Koreander bestreut und in scharfe Saucen getaucht, schmeckt das wie himmlischer Friede.

Auch in Wien kann man sich an „huoguo“ erwärmen.Feuertöpfe gibt es etwa im China-Restaurant „Liounge“ (6., Gumpendorfer Straße 29). Da holt man sich am Buttet Fleisch, Meeresfrüchte, Fisch, Blattgemüse und Nudeln, um diese anschließend im chinesischen Fonduetopf individuell zu garen. Als Brühen stehen Kokos-Thai-Suppe, Rindersehnen-Suppe, Ochsenschwanzsuppe, Flugentensuppe oder Fischkopfsuppe zur Disposition. Speziell im Winter ist „huoguo“ ein Hit.

Apropos Rindersehnen. Originelles und Originales wie dieses auf Deutsch zwar nicht sehr verführerischklingende, aber durchaus leckere traditionelle Gericht gibt es in dem neuen Sichuan-Restaurant No.27 (zu finden in der Ungargasse; erraten: auf Hausnummer 27). Vor allem die heimische Kabare -Szene von Werner Schneyder bis Andreas Vitásek befriedigt in dem schmucklosen Lokal mit freundlichem Service ihre kulinarische Neugier. Aus der recht fabelha klingenden Karte: Phönixkrallen in roter Chili-Sauce, Tausend-Schichten-Schweineohren in scharfer Chili-Sauce, Pochierte Schweineblut-Kuchen und Rindskutteln in heißem Chili-Öl und – die Leibspeise meines Freundes Werner: der pochierte Amurkarpfen, schwimmend in einer scharfen Brühe, die sichtlich einen ähnlichen Effekt hat wie ein mehrstündiger Dampfbadbesuch. Keine Spur vom Glutamat findet sich auch in den beiden Herbergen des mitlerweile legendären „Silent Cooking“-Stars Simon Xie Hong. Im Vorjahr etablierte der studierte Mediziner und expansive Herd-Quereinsteiger zusätzlich zu seinem Stammlokal ON (südchinesische Spezialitäten; 5., Wehrgasse 8) in den engen und lauten Räumlichkeiten des ehemaligen Una die sehr urbane und kulinarisch erfreuliche ChinaBar (7., Burggasse 76). Hier werden chinesische und österreichische Gar-Traditionen fusioniert. Aus der Karten: Bodensee-Felchen mit fermentierten Bohnen und Rucola, Mangalitzaschwein oder in Kokossauce geschmorte Lammkeule.

Apropos Xie Hong: Am Naschmarkt, vis-à-vis des Café Savoy, wird der „schweigsame“ Haubenkoch im März oder April auf insgesamt 600 Quadratmetern ein spektakuläres Marktlokal eröffnen, in dessen Erdgeschoß (On Market) man speisen kann – Schwerpunkt: Süßwasserfi sch. Im Keller (Bar On) darf dann bis vier Uhr früh abgetanzt werden. Arbeitstitel des Mega-Projekts: das „Lokal,das niemals schläft“.

Keine China-Küche ohne die (eigentlich koreanischen) Dim Sum. Für Liebhaber der variantenreichen Teigtäschchen empfilehlt sich entweder das elegante „Sinohouse“ (1., Himmelpfortgasse 27) oder das altehrwürdige „Tsing Tao“ (15., Gerstnerstraße 5), wo man in einem an die Bahnhofswirtscha von Nanchong gemahnenden Speisesaal die Qual der Wahl hat, aus erstaunlichen 200 Dim-Sum-Variationen zu wählen. „Kein Ploblem!“, würde meine verehrte Masseurin sagen.

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