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Elke Winkens © Elke Winkens

Witz wird weiblich

Gepostet von Dieter Chmelar
am Freitag, 01. Februar 2013

Kolossale Kampfansagen köstlicher Kabarettistinnen

Das Jahr 2013 begann mit genauso großem Schmerz wie das Jahr 2012: Heuer verließ Louise Martini mit 80 die Lebensbühne, vor zwölf Monaten war es Cissy Kraner mit 94. Was für wunderbare Pionierinnen des goldenen Kabaretts! Die Martini, von der Hans Weigel schwärmte, das gleichnamige edle Getränk wäre nach ihr benannt, nicht umgekehrt, so „trocken, genussreich und anregend“ wie sie spielte und sang, vertonte das Nachkriegs-Wien mit „Chesterfield“ (aus der Feder Gerhard Bronners) mit ähnlich perfid-perfekter Präzision wie die Kraner (dank Brettl- und Lebenspartner Hugo Wiener), als sie unnachahmlich gestand: „Aber der Novak lässt mich nicht verkommen.“ Beide waren sie, auf ihre Art, die First Ladys in der großen Männerdomäne der Kleinkunst. So, genug Geschichte. Zurück in die Zukunft. Es gibt sie sonder Zahl, die kongenialen Töchter und Enkeltöchter der Säulenheiligen Marie-Luise (Martini) und Gisela (Kraner). In allen Jahrgängen, die wir hier nicht einmal streifen wollen. Denn: Ist der Witz jung geblieben, spielt das Alter der Witze keinerlei Rolle. Erzählen muss man sie können.

Beispielsweise so wie der taufrische Geheimtipp AIDA LOOS (eigentlich Hossein). Die halbe Perserin bringt gern die ganze Wahrheit zur (Aus-)Sprache: „Ich heiße mit Vornamen wie eine berühmte Oper und mit Nachnamen wie ein irrer Diktator, nur mit einem O. – Sagt mir ein Typ darauf: ,Ah! Jetzt weiß ich’s! Du heißt Carmen Hotler!“ (Nächster Au ri : „Hartes Loos“ am Weltfrauentag, 7.März, im Bezirksfestsaal Alsergrund). Oder NADJA ALEH, hin- und herzzerreißende „Pointe“ einer lustvollen syrisch-tirolerischen Koproduktion! Kostprobe: „Was muss einer sein, um Frauen nicht zu verstehen? – Ganz einfach: Ein Mann!“ („Jackpot“, bis 15. 2. im Niedermair, am 16. 2. im Stadtsaal, am 17. 2. im Orpheum).

Längst in der Liga der außergewöhnlichen Gentle-Women brillieren Großkaliber wie DOLORES SCHMI DINGER (liest am 22. 2. aus ihrer geradezu geil-bösartigen Be - und Bühnenbeichte „Ich hab sie nicht gezählt“, „Die Bühne“, Purkersdorf) und ANDREA HÄNDLER, deren 8. Solo knallhart dem Wechsel die angemessene Komik abringt („Naturtrüb“, 25. 2., Kosmos-Theater). NINA HARTANN wiederum hat IHAEL NIAVARANI erfolgreich ab- und dafür ein eigenes Profil noch erfolgreicher aufgebaut („Brasil“, 28. 2., Orpheum). 20 Jahre Showbiz stecken wahrheitsgemäß in „Alles gelogen“ von ELKE WINKENS. Sie verrät, „wie eine Frau um die 40 über ihre Verhältnisse und trotzdem noch unter ihrem Niveau lebt“ (15. und 16. 3., Eden-Bar). Berufl ich wie privat arbeiten sich seit Jahren ONIA WEINZETTL und GEROLD RUDLE als „Geronica“ (in Anlehnung an „Brangelina“) aneinander ab: „Das Leben ist wie eine kalte Pla e – das meiste ist Käse und der Rest is wurscht ...“ (11. 2. Orpheum). Es ist zum Männchenmachen: Der Witz wird weiblich! Und das ist, bitte schön, kein Wurst-Käs-Szenario!

„Gibt’s eine App dafür, dass ein Mann mit einer Frau tanzt oder mit ihr schläft?“ NINA HARTMANN, Kabarettistin und Schauspielerin.

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